KREBS BEIM KIND

Krebs ist bei Kindern selten: die Erkrankungshäufigkeit beträgt z.B. in den U.S.A. etwa 130/Million Kinder/Jahr. Bei uns existiert das Schweizer Kinderkrebsregister, das über genaues Zahlenmaterial seit 1976 verfügt. Danach schwankt die Zahl der an Krebs neu erkrankten Kinder um 180 bis 230 pro Jahr.

Während noch 1973 höchstens 40% der krebskranken Kinder geheilt werden konnten, sind es heute voraussichtlich mindestens 75%, vielleicht sogar 80%. Die Behandlung unterscheidet sich dabei nicht vollkommen, aber Kinder sprechen besser auf die Behandlung an. Medikamente müssen jedoch anders dosiert sein und oft werden spezielle Medikamente benötigt. Die von uns geförderten Projekte trugen dabei deutlich zur besseren Prognose der Kinder bei. Inzwischen werden auch die Spätfolgen genau untersucht und die Survivor noch lange nach dem Abschluss der Krebstherapie begleitet und in Studien erfasst.

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Quelle: Kinderkrebs Schweiz 2015

SPEZIELLE FACHÄRZTE, EIGENE ABTEILUNGEN
UND FORSCHUNGSLABORS?

Einerseits ist es das besondere Diagnosespektrum, das sich von demjenigen bei Erwachsenen sehr stark unterscheidet: Akute Leukämien und Hirntumoren machen zusammen fast die Hälfte der Krebsdiagnosen im Kindesalter aus, daneben findet man sog. Sarkome (Tumoren bindegewebiger Herkunft). Karzinomedagegen, d.h. die Krebse des Erwachsenen, fehlen fast vollständig. Auch der Organbefall ist beim Kind völlig anders: die beim Erwachsenen meistbefallenen Organe: Lunge, Brust, Prostata und Magendarmtrakt zeigen beim Kind fast nie Krebsbefall, dafür sind es neben den bereits erwähnten blutbildenden Geweben und dem Gehirn vor allem die Lymphknoten, die Nieren, und die Weichteile (auch Muskeln) und Knochen. Anders als beim Erwachsenen, wo sich zum Beispiel Prostata- und Brustkrebs auch wenig behandelt über Jahre hinziehen können, zeigen die kindlichen Tumoren fast immer ein sehr viel «aggressiveres» (d.h. rascher fortschreitendes) biologisches Verhalten. Kinder mit Krebs leben deshalb ohne wirksame Behandlung nur wenige Monate.

FORSCHUNG VIELVERSPRECHEND

Nicht zuletzt wegen diesen Besonderheiten wurden viele wichtige Entdeckungen, vor allem auf dem Gebiet der Genetik und der Chromosomen, primär bei kindlichen Tumoren gemacht: so die Entdeckung des ersten Tumorsuppressor-Genes beim sehr seltenen bösartigen Augentumor des Kindes, dem Retinoblastom, und von ersten familiären Krebsformen. Auch viele moderne Behandlungen mit Krebsmedikamenten, den Zytostatika, wurden, vor allem in den 60er und 70er Jahren, auf Basis der Erfahrungen und Erfolge bei Kinderkrebs entwickelt. Deshalb ist sowohl die Grundlagenforschung als auch die klinische Forschung an kindlichen Tumoren auch heute besonders vielversprechend.

SPÄTNEBENWIRKUNGEN

Andererseits sind wegen der raschen Vermehrung diese Krebszellen kindlicher Tumoren auf die Behandlungs-Möglichkeiten fast immer viel empfindlicher als diejenigen bei Erwachsenen-Krebsarten. Die Kinderonkologie kann deshalb fast immer darauf zählen, dass eine Behandlung mittels Chemotherapie und Bestrahlung gut wirksam sein wird. Allerdings sind die Spät-Nebenwirkungen der Bestrahlung beim wachsenden Organismus sehr viel schwerwiegender und bedenklicher als beim Erwachsenen, weshalb die Chemotherapie in der Kinderkrebsbehandlung eine zentrale Rolle spielt.